Das Experiment mit dem Doping (Kids, don’t try this at home!)

Ich hatte mir schon vor sehr langer Zeit einmal in den Kopf gesetzt, Viagra oder etwas vergleichbares auszuprobieren. Man muss dazu sagen, dass ich kein körperliches Problem habe. Natürlich kann man(n) mit fast 40 nicht mehr so wie mit 23. Dafür ist die Technik besser geworden und es wird nicht ganz so gehudelt…aber die eigenen Leistungsvorstellungen erreicht wohl kaum ein Mann. Ginge es nicht ohne Hilfe, wäre ich längst beim Arzt – nicht nur um die Dysfunktion zu behandeln sondern die Ursache zu finden. Deutet ja meistens auf was gröberes hin.

Ich bin ein furchtbarer Kopfmensch. Das bedeutet, dass ich beim Sex nur sehr sehr schwer das Hirn ausschalten kann. Wenn ich das Hirn aber nicht ausschalten kann, dann wird die Sache entweder holprig oder dauert nicht all zu lange. Ich habe gelernt, je animalischer, desto besser ist der Sex. Und desto länger halte ich durch.

Dazu kommt, dass ich bei Sessions sehr konzentriert bin. Was der Konzentration im „unteren“ Bereich manchmal abträglich ist.

In jüngeren Jahren hatte ich einige Versager, die einfach auf den Stress („Wow, ich hab sie endlich ins Bett bekommen…“) zurück zu führen waren.

Alles in allem: Manchmal gings nicht so, wie ich wollte. Und da ich mich dann zwang, gings noch weniger. Sie verstehen… (also, zumindest ein paar der Herren…)

Diese Medikamente sind allesamt rezeptpflichtig. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich mir einen Besuch beim Männerarzt deswegen antun will. Erstens der Zeit wegen andererseits, weil ich mir nicht sicher bin, ob meine Bedürfnisse auch entsprechende Ergebnisse zeigen würden.

Deswegen war das alles nur eine Idee, bis ich zufällig eine legale Möglichkeit fand, die auch nicht in einer Bestellung von obskuren Mittelchen aus Indien endete.

Also, das Zeug besorgt (ein Viagra Nachbau, die original blaue Pille ist unverschämt teuer!) und dann mal liegen gelassen. Klar haben die Dinger Nebenwirkungen, aber nachdem ich sonst keine Medikamente schlucke, mein Blutdruck in Ordnung ist und ich sonst auch eher dazu neige, Medikamente gut zu vertragen, machte ich mir keine Sorgen.

Falsch, natürlich dachte ich nach, was alles passieren kann. Diese Mittel sind nun mal kein Spielzeug.

Aber dann nahm ich eine. Alleine – ich wollte wissen, was ich zu erwarten hatte. Wie lange es dauert, bis sie wirkkt und wie lange sie wirken. Ob die (leicht gewählte) Dosis überhaupt wirkt.
Das Ergebnis war interessant. Und weckte mein Interesse.
Und nach zwei Stunden hatte ich die erste Nebenwirkungen. Kopfweh und Schnupfen. Gut, bei dem Wetter hätte ich die wohl auch wo anders her bekommen können, aber…es war schon ziemlich wahrscheinlich.

Einen Tag später war Spieleabend. Also…die erwachsene unanständige Variante des Spieleabends. Und ich dopte mich zum ersten mal für den „Ernstfall“.

Ich weiß, ich sollte das hier nicht schreiben, weil „Kinder macht das nicht zu Hause“ und so weiter aber…ehrlich gesagt, es war eine der besten blöden Ideen meines Lebens (und ich habe schon einige blöde Dinge gemacht.)
Ich konnte meinen Kopf abschalten. Ich konnte so ficken, wie ich es immer schon wollte, ohne mich darauf zu konzentrieren, dass ja nicht komme. Keine Ahnung, ob das auch eine Wirkung des Mittels ist, oder eine reine Kopfsache – aber das war kein Thema.

Und so kam es, dass die meinige mich fragte, ob ich „was eingenommen habe“. War wohl nicht zu verbergen.
Und aus irgendeinem Grund kann ich jetzt plötzlich auch unter „Normalbetrieb“ mein Hirn abschalten. Was natürlich alle Beteiligten freut.

Ein Jahr…

Es ist nun ungefähr ein Jahr her, seit dem ich mein „neues“ Leben begonnen habe. Und was für ein Jahr.

Ich war in diesem Jahr eifersüchtig wie noch nie zu vor. Ich war zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder so richtig verliebt – in die Frau, die immer an meiner Seite war – ich spürte mich wieder. Jede einzelne Faser meines Körpers. Ich begann wieder zu leben. Nicht das „ich gehe ins Büro arbeiten, koche am Abend essen und gehen nach ein paar Stunden Fernsehen/Computerspielen wieder schlafen“ Leben, sondern das Leben, in dem man sich spürt. Man liebt, man fühlt, man weint, man schreit, man sich die Seele raus fickt, bis man nicht mehr kann. Und in dem man am Schluss weiß, dass alles gut ist. Und ich meine Unsicherheit verloren habe.

Ich begann wieder, mit Menschen Beziehungen aufzubauen. Freundschaften, Gespräche. Ich hatte kein schlechtes Gewissen mehr, mit anderen Frauen auch intensivere Gespräche zu führen.

Ich hatte Tiefs. Einige. Und das schlimmste daran war, dass mir die Menschen fehlten, mit denen ich darüber sprechen konnte, bevor ich darüber mit der meinigen darüber sprechen wollte.

Ich fand Menschen, die ein Ohr für mich hatten und vor denen ich, obwohl sie die Situation verstehen konnten, ich nicht unbedingt den dominanten Mann raushängen lassen musste. Sondern einfach offen reden konnte, weil sie so weit weg sind, dass sie den „normalen“ Menschen nicht kennen und bei denen ich nicht aufpassen musste, mich irgendwie zu verraten. Ich zog mich in eine Twitterblase zurück, um mich selbst zu finden. Fand dort Gesprächspartner, die in dunklen Nächten ein Ohr hatten (Crimson_Silk und TheWildflower72), fand dort Leute mit interessanten Geschichten (zeigsiemir und tarasropes) und und erfuhr, dass andere ähnliche Geschichten hatten wie ich. Und auch schon in der Zeitung standen (-;

Ich denke, im letzten Jahr habe ich 5 Jahre gelebt. Oder mehr. Danke euch allen.

J. ich liebe dich!