Kopfkino

Wir betreten den Club. Oder besser – die Location. Die Fahrt hierher war spannend. Weder du noch ich wussten, was uns erwarten wird. Die Gespräche über alltägliches. Wir sind froh, einmal ohne Kinder unterwegs zu sein. Seit Jahren das erste mal.
Und doch ist da die Aufregung. Eine Geburtstagsfeier. Sie hat dich dazu eingeladen.

Ein fast schon versteckter Eingang. Von außen sieht es aus wie ein Büro. Darin ein Vorhang, der die Sicht nimmt. Stimmen. Fremde Menschen, alle gut gelaunt. Ich versuche mich zu fassen. Etwas zu sein, dass ich noch nicht richtig verstanden hatte. Dein Herr.

Die Einrichtung wie erwartet. Erotisch, aber stellenweise brutal ehrlich. Gut, so wie ich es mir gedacht habe. Die Fotos im Internet waren hier sehr aufschlüssig.

Sie begrüßt dich. Ich kenne sie nur von Bildern, habe sehr kurz mit ihr geschrieben. Ich wollte wissen, wer der Mensch ist, der so viel Einfluss auf uns hatte. Auch wenn Sie nur der Katalysator war. Etwas aus mir heraus gerissen hat, was schon immer in mir steckte. Und trotzdem spüre ich diesen brennenden Schmerz, die Eifersucht. Aber ich verstehe, warum du sie interessant findest. Sie ist offen. In meiner Welt etwas, was ich nicht kenne. Was mir Angst macht. Ein Mensch, der keine Grenzen zeigt, hat mehr zu verbergen als jemand, der hinter Mauern steht. Rotbraune Locken. Ein wacher Blick. Sportliche Figur. Eine Lüge, sie nicht auch attraktiv zu finden.

Die Feier geht dahin. Ich lerne ihre Freunde kennen. Ihren Partner, oder zumindest einen ihrer Partner. Freundlich. Wir werden später alleine miteinander reden. Ich tausche mich etwas über meine Beziehung zu dir aus – dass wir erst wenige Monate so leben, wie wir es jetzt tun.

Ihre Partnerin. Der Typ Mensch, den du im Krieg neben dir im Graben haben möchtest. Fürsorglich, aber brutal. Von einer Sekunde auf die andere. Ich glaube, wenn man ihre Jungen angreift, würde sie einem Löwen den Kopf abreissen, mit bloßer Hand. Oder ihrem Klappmesser, dass sie bei sich trägt.
Unbewusst erwischt es mich an meiner verwundbarsten Stelle. Als wir im Gespräch mit Ihr sind, tritt ihre Frau an mich von hinten heran. Berührt meinen Rücken. Diese Berührung ist fast das intimste, was man mir antun kann. Ein Ort, den niemand ungefragt berühren sollte. Mein Gesicht verzieht sich, du erkennst meinen Blick und lächelst. Ich beherrsche mich, aber mein Körper reagiert. Gänsehaut. Du weißt, was passiert ist. Später wirst du Ihr es erzählen.

Irgendwann verlassen wir das Erdgeschoss und gehen in den Keller. Dort sieht es aus, wie man es in einem SM Club erwartet. Bänke, Betten ohne Matratzen oder mit schwarzer Folie überspannt. Ein Käfig, ein Verlies. Und natürlich ausreichend Haken und Balken an den Decken und Wänden. Es ist ein altes Kellergewölbe, erinnert mich an meinen ersten Arbeitsplatz. Bloß halt mit ein paar mehr Extras.

Wir unterhalten uns, sind hier unten zuerst fast alleine. Dein Verhalten erregt mich. Du zeigst, dass du unter mir bist, ich dein Herr. Auch wenn wir in diesem Spiel noch beide unerfahren sind, merken wir die Vertrautheit der Jahre. Du bist an meiner Seite, trägst ein Korsett. Ein Oberteil, dass deinen Hals und Oberkörper in einem Spinnennetz einfängt. Dein Rock ist züchtig lange. Eigentlich wollte ich dich ohne Unterwäsche gehen lassen – aber du bist noch nicht soweit. Da es kalt ist im April, war die Temperatur eine gute Ausrede, meinen Wunsch nicht zu erfüllen. Ich will es dir durchgehen lassen. Es reizt mich sowieso mehr, dir unter die Kleidung zu fassen, dir den Slip zur Seite zu schieben, wenn meine Finger in dich gleiten oder mit deinem Kitzler spielen. Ich verliere mich im Gedanken daran.

Die Feier spielt sich vorwiegend oben ab. Es sind einige Gäste anwesend, die nicht zur Gemeinschaft gehören. Betrunken. Der Bruder eines Freundes und seine Freunde. Oder so. Sie reagieren kindisch auf die Situation. Wann landest du als „Vanille“ auch schon mitten in einer Gruppe BDSMler? Durch ihr Verhalten bleibt die Stimmung sehr „normal“, man könnte es nicht von einer „Ü30“ Geburtstagsparty unterscheiden. Außer natürlich, dass dann doch ab und zu ein wenig mit dem Spielzeug hantiert wird.

Ihr Partner versucht die Außenseiter einzufangen, gibt im Keller einen spontanen Fesselworkshop. Ich wandere zwischen den Räumen hin und her. Auf der Suche nach einem guten Gespräch. Angespannt, überfordert. Ich habe selten so offene Menschen getroffen. Ich langweile mich. Hier kennt jeder jeden. Meine üblichen Gesprächsstrategien funktionieren kaum. Kein Wunder, ich habe mich seit Jahren mit niemanden mehr wirklich unterhalten.

Dann treffe ich euch. Im Keller. Neben den Betten, die aus nichts als einem Bettgestell und einem Federgitter bestehen. Neben dem Käfig. Ich habe kaum getrunken. Du bist angeheitert. Unsere Gastgeberin vielleicht auch. Ich kann es nicht einschätzen. Konnte ich bei Frauen nie.

Ihr unterhaltet euch angeregt. Ich nehme daran Teil. Mein sozialer Autopilot steuert mich. Ich kann das ausgezeichnet. Bin in der Lage, an der Konservation teil zu nehmen, ich könnte das Gespräch führen. Gleichzeitig ist mein Geist ganz wo anders. In mir brennt es. Der Abend ist aufgeladen. Ich begehre dich. Stelle mir vor, wie deine Brüste vom Korsett zusammen gepresst werden. Zu feig, dich hier einfach zu nehmen. Dich auf ein Bett zu schmeißen. Oder dich auf der Bank knien zu lassen, dir den Rock hoch zu heben, die Strumpfhose zu zerreißen und von hinten zu ficken. Ich spüre, dass dich das erregt. Trotzdem tue ich es nicht. Möchte keine Konventionen verletzten, die ich gar nicht kenne.

Und da ist Sie noch. Ich weiß, du hast Gedanken über Sie. Wir sind fast seit 10 Jahren ein Paar. Aber du begehrst auch Frauen. Verständlich. Tue ich auch. Und deine Erzählungen hatten dich längst verraten. Keine Schwärmereien. Sondern Kleinigkeiten über Äußerlichkeiten – die man nur erwähnt, wenn man jemanden sehr genau betrachtet. Ich kenne dich. So wie du mich kennst. Ich beobachte euch, ihr geht ein paar Schritte. Beklagt euch über eure schmerzenden Füße.

Wie ironisch, denn beide liebt ihr den Schmerz.

Ihr legt euch auf eines der Betten. Nebeneinander. Hebt die Beine an. Und da sehe ich es. Es ist nur ein kurzer Blick.

Ich lese dich.

Ich kenne diese Situation. Die kritische Distanz ist unterschritten. Habe ich hunderte Male gesehen, in der Arbeit. In der Nacht. Im Keller. Am DJ Pult. Gleich folgt der Kuss.

Mein Gehirn rast. Das Kino beginnt.

Du drehst deinen Kopf zur Seite. Sie den Ihren. Mitten im Gespräch packst du sie. Ziehst ihren Kopf zu dir. Küsst sie. Sie wehrt sich nicht. Erwidert den Kuss. Eure Lippen pressen sich aneinander. Du hast deine Hände in ihren Haaren und ziehst ihren Kopf zu dir. Ich sehe deine Gier. Deine Lust. Ihre Arme schließen sich um deinen Oberkörper. Du beißt in ihre Lippen, zwickst sie, spielst mit ihnen.

Ich überlege, wer die Oberhand haben wird. Geilheit steigt in mir hoch. Fühle mich wieder wie 18. Wie beim ersten mal. In dieser Situation. Nur diesmal nüchtern, keine Drogen, kein Alkohol. Vielleicht ein Fehler.

Ihre Hände suchen nach der Masche des Korsetts. Es sieht gut aus, aber für das, was folgt ist es denkbar ungeeignet. Sie weiß das. Und während sich deine Hände in ihren Locken vergraben und ihren Dutt öffnet, haben ihre Finger die Masche gefunden und zerren die Verschnürung auf.

Ich setze mich auf eine Bank und hole meinen Flachmann heraus. Beobachte, was folgt. Mein Schwanz wird hart. Mein Herz brennt. Ich sollte mich betrinken. Ich sollte zusehen. Meine Stimmung verdunkelt sich. Du bist mein. Das weißt du. Die Strafe wird hart werden. Sehr hart. Bis dahin genieße ich den Anblick. Und harre der Dinge. Möchte euch nicht stören. Seid Frauen.

Deine Hände wandern unter ihr Kleid. Einfach. Es ist stilvoll und darunter verbirgt sich nicht viel Stoff. Deine Hand liegt auf ihrer Brust. Du beginnst sie zu kneten, zu liebkosen. Ihr ringt miteinander, unklar, wer die Initiative ergreift. Wer die Überhand gewinnt. Ihre Hände wandern über deinen Rücken, ziehen das Korsett nach unten. Dein Busen fällt heraus, noch immer im Spinnenoberteil. Trotzdem frei zugänglich. Du ziehst ihr Abendkleid über den Kopf. Sie liegt fast nackt neben dir, nur ein Slip. Nerdig. Spock wünscht uns ein Langes Leben.

Ihre Brüste liegen frei. Du beginnst sie zu küssen. An den Brustwarzen zu knabbern. Sie scheint sich hinzugeben. Zu genießen. legt sich halb auf den Rücken. Ich weiß, du liebst Brüste. Jetzt sehe ich es. Als Frau weißt du, wie du damit umzugehen hast. Besser als jeder Mann. Sie hält sich an den Bettpfosten fest, streckt dir ihren Busen entgegen. Liegst auf ihr. Küsst sie wieder gierig. Möchtest ihr Lust bereiten.

Sie greift nach vorne, bekommt dein Oberteil zu fassen, zieht es dir über den Kopf. Du bist kurz geblendet. Sie nutzt den Moment. Ist gelenkiger als du. Dreht dich zur Seite, hält mit einer ihrer zarten Hände deine Hände fest. Über deinem Kopf.

Ich kenne diese Haltung. Du hast verloren.

Sie liegt auf dir. Reibt ihren Oberkörper an deinem. Küsst dich. Fasst deine Brüste und beginnt sie zu bearbeiten. Zieht an deinen Brustwarzen, knetet sie. Spielt mit ihnen. Deine Hände halten sich am Gitter fest. Ihr Griff fesselt dich nur symbolisch. Fester als jedes Stahlseil.

Sie sitzt auf dir. Eure Unterleiber reiben aneinander. Deine Strumpfhose stört. Schnell ist sie herunter gezogen und dient als Fessel für deine Beine. Sie kratzt über deinen Oberkörper. Ihre Fingernägel graben sich in dein Fleisch. Zwischen deinen Brüsten ziehen sich rote Striemen. Sie sieht dir tief in die Augen, als sie dir in den Schritt fasst. Grün und Bernstein. Ihre Finger wandern zwischen deine Oberschenkel. Spreizt deine Beine. Ihr Mittelfinger sucht deinen Kitzler. Spielt sich mit ihm. Du stöhnst auf. Richtest deinen Oberkörper auf. Sie hält dich nicht mehr fest. Du nutzt die Bewegung, wirfst sie nach hinten. Sie lässt sich fallen. Ihr Kopf liegt über der Kante des Bettes. Eure Unterleiber verkreuzen sich. Ihr reibt euch aneinander. Fickt euch gegenseitig.

Ich genieße den Blick in Ihrem Gesicht. Sie starrt in meine Richtung. Sieht mich nicht, die Augen durch mich durch. Ist nicht hier.

Sehe, wie du deine Gier befriedigst. Sehe, wie du dich an ihr reibst. Deine Lust an ihr steigerst. Oder umgekehrt.

Deine Lust brennt in mir. Aber meine Lust brennt stärker.

Ich sehe wie Sie zu zucken beginnt. Hat sich nicht mehr unter Kontrolle. Schreit. Das verstärkt deine Empfindungen. Du windest dich, greifst dir selbst an die Brust. Quetscht sie.

Deine Strumpfhose hängt längst nur mehr an einem Bein. Greifst danach. Verzichtest auf deine eigene Befriedigung. Schlingst sie um ihren Hals, greifst sie im Nacken mit der einen Hand. Ihre Haare verfangen sich dabei in deinen Händen. Gut. Noch mehr Schmerz.

Deine andere Hand wandert in ihren Schritt. Du suchst nach den richtigen Stellen, spreizt ihre Schamlippen, dringst tief in sie ein, zwei Finger. Dein Daumen reibt an ihrem Kitzler. Spielst dich mit ihr.

Deine Hand dreht die Strumpfhose rum. Du nimmst Ihr die Luft. Hast Sie jetzt ganz in der Hand. Etwas ungewöhnliches für dich. Beugst dich vor, lässt Sie an deinen Brüsten saugen.

Sie nimmt sie gierig auf, saugt und knabbert an deinen Brustwarzen. Liebkost sie. Mit ihren Zähnen. Und ihren Lippen. Beißt hinein. Verliert mehr und mehr die Kontrolle.

Du schnürst ihr immer mehr Luft ab. Du reizt Sie maßlos.

Ein erstickter Schrei. Sie wirft ihren Kopf wieder nach hinten. Starrt ins Leere. Ihre Augen abgrundtief. Grün. Sie erschlafft. Holt tief Luft. Du brichst auf Ihr zusammen, erschöpft.

 

Aber der Kuss kommt nicht. Der Vorhang fällt. Ihr unterhaltet euch. Du drehst dich wieder weg.

Später wirst du mir gestehen, dass er wegen mir nicht kam. Damals hätte es mich zerissen. Du hast es gespürt.

Am Heimweg werde ich dich belohnen. Sehr oft.

 

Ein Gedanke zu “Kopfkino

  1. Ein Reblog von „es kann nicht sein…“ hat mich hierher geführt. Ich bin begeistert. Endlich ein Mann der sich genau mit dem Zwiespalt zwischen der gleichberechtigten Partnerin und der Lust an der Dominanz beschäftigt und der den Weg zwischen „heiler Welt“ und den Lüsten am Schmerz zusammen mit seiner Partnerin finden will.

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